Arzneimittel vs Genussmittel
Risiken unsachgemäßer Lagerung von medizinischen Cannabis- Arzneimitteln und Bedeutung von Feuchtigkeitsregulatoren (Boveda/Integra)
1. Einleitung
Medizinisches Cannabis wird bei verschiedenen Indikationen eingesetzt, unter anderem zur
Schmerztherapie, bei Spastik oder zur Appetitsteigerung. Aufgrund seiner pflanzlichen Beschaffenheit
ist Cannabis jedoch anfällig für mikrobiologische Veränderungen, insbesondere bei unsachgemäßer
Lagerung. Ein zentrales Risiko stellt dabei die Schimmelbildung dar, die sowohl die Wirksamkeit als
auch die Sicherheit der Anwendung beeinträchtigen kann.
Bei medizinischem Cannabis handelt es sich um ein nicht zulassungspflichtiges Arzneimittel und nicht
um ein Genussmittel.
2. Verwendung von Feuchtigkeitsregulatoren
Feuchtigkeitsregulatoren wie Boveda- oder Integra-Packs sind kommerziell erhältliche Systeme zur
Kontrolle der relativen Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Behältnissen. Sie wurden primär für
Anwendungen wie Lebensmittel und Tabak (Zigarren) entwickelt und sind keine zugelassenen
pharmazeutischen Hilfsmittel im Sinne arzneimittelrechtlicher Vorschriften.
3. Fehlende pharmazeutische Validierung
Im Gegensatz zu pharmazeutischen Primärverpackungen oder validierten Lagerungssystemen
unterliegen diese Produkte:
• Keiner regulatorischen Zulassung als Medizinprodukt oder Arzneimittelbestandteil
• Keinen GMP-konformen (Good Manufacturing Practice) Validierungsprozessen für den
direkten Einsatz mit Arzneimitteln
• Keiner standardisierten Prüfung hinsichtlich Wechselwirkungen mit Cannabisblüten (z. B.
Terpenprofile, Wirkstoffstabilität)
• Keiner chargenspezifischen pharmazeutischen Qualitätssicherung im Kontext medizinischer Anwendung
• Kontamination während der Handhabung
Das bedeutet, dass ihre Eignung zur Sicherstellung der pharmazeutischen Qualität von
medizinischem Cannabis nicht evidenzbasiert nach Arzneimittelstandards belegt ist.
4. Potenzielle Risiken im medizinischen Kontext
Durch den Einsatz nicht validierter Feuchtigkeitsregulatoren können folgende Risiken entstehen:
• Unkontrollierte Feuchtigkeitsabweichungen (z. B. bei falscher Packgröße oder defekten Packs)
• Beeinflussung der mikrobiellen Stabilität, falls Zielbereiche nicht exakt eingehalten werden
• Fehlende Nachweise zur Materialverträglichkeit (z. B. mögliche Abgabe oder Adsorption flüchtiger Substanzen)
• Keine Rückverfolgbarkeit im pharmazeutischen Sinne (Chargendokumentation, Auditierbarkeit)
Cannabisblüten enthalten organisches Material mit Restfeuchtigkeit und bieten somit einen
geeigneten Nährboden für Mikroorganismen, Schimmelpilze (z. B. Aspergillus-Arten). Wird also 06.05.2026
Cannabis in nicht luftdichten Behältern oder in zu feuchter Umgebung, z.B. durch den unsachgemäßen Gebrauch von Feuchtigkeitsregulatoren, gelagert, kann sich die Restfeuchtigkeit
erhöhen und die Vermehrung von Pilzsporen begünstigen Insbesondere bei vulnerablen Patientengruppen ist eine kontrollierte, validierte Lagerung von entscheidender Bedeutung.
Daher ist es entscheidend, dass Apotheken auf die sachgerechte Lagerung bei der Abgabe von
medizinischen Cannabis- Medikamenten hinweisen. Sollten sich Patienten dazu entscheiden, die
Arzneimittel abweichend der empfohlenen Lagerbedingen zu lagern, so geschieht dies in der
jeweiligen Eigenverantwortung des Anwenders.
Fazit
Boveda- und Integra-Feuchtigkeitsregulatoren sind nicht pharmazeutisch validiert und nicht speziell für
den Einsatz mit Arzneimitteln zugelassen. Ihr Gebrauch im Kontext von medizinischem Cannabis stellt
daher eine nicht standardisierte Maßnahme dar, die keine garantierte Sicherstellung von Qualität,
Wirksamkeit und mikrobiologischer Unbedenklichkeit im Sinne pharmazeutischer Anforderungen bietet.